CHC Summit 2020: Diskussionsrunde mit Top Gästen

 

Eine hochspannende virtuelle Diskussionsrunde unter dem Wortlaut “New Work, die Zukunft der Arbeit – Wie ein Virus den Wandel der Arbeitswelt beschleunigt“.

Die Gäste Doris Kruschitz-Bestepe, Executive Expert HR bei KAPSCH AG, Christoph Sauermann, Geschäftsführer von Mediclass Gesundheitsclub GmbH, und Max Lammer, Employee Experience Leader, sprachen offen über persönliche Erfahrungen und den derzeitigen Veränderungen in ihren Unternehmen aus den letzten Wochen.

 

Stephan Poschik: Wie habt ihr es als Unternehmen geschafft euch innerhalb der letzten fünf Wochen auf diese Situation um- und einzustellen bzw. was waren die nötigen Dinge mit dieser Ausnahmesituation klar zu kommen?

Doris Kruschitz-Bestepe: Durch die unterschiedlichen Unternehmensteile (tlw. weltweit agierend und daher von den Maßnahmen auch unterschiedlich be- und getroffen) gab es bei uns nicht das eine Szenario, sondern viele unterschiedliche. Unser Vorstandsvorsitzende hat unsere Mitarbeiter dazu eingeladen, weiterhin ins Office zu kommen, wer jedoch lieber Home-Office macht, dem wurden alle entsprechenden Notwendigkeiten zur Verfügung gestellt.

Bei Home-Office würde ich viel lieber von Work from Home sprechen, da fast alle unserer Mitarbeitet eben kein Office zu Hause haben. Wir haben diesen Mitarbeiter ermöglicht den Bildschirm von ihrem Schreibtisch mitzunehmen – innerhalb von drei Arbeitstagen war dies alles erledigt. D.h. wir haben innerhalb dieser kurzen Zeit mehr als 5.000 Working from Home- Arbeitsplätze geschaffen und es wurde von den Mitarbeitern gut angenommen.

Ein Teil unserer Unternehmensgruppe gehört zur kritischen Infrastruktur in Österreich und diese Mitarbeiter haben mehr gearbeitet als jemals zuvor.

Christoph Sauermann: Wir haben sehr rasch, sehr klare Informationen aus dem Gesundheitsministerium bekommen, da wir ja Gesundheits-Dienstleister sind. Wir haben einen Akutbetrieb aufrecht erhalten mit eingeschränkten Öffnungszeiten, strengen Zutrittskontrollen, etc. und haben einen Teil der Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Home-Office hat es nur für ganz wenige Ausnahmen gegeben, da wir unsere Dienstleistungen ja physisch am Patienten erbringen. Was wir dafür sehr wohl gemacht haben war, dass wir innerhalb kürzester Zeit Telemedizin implementiert haben, natürlich mit den DSGVO-Richtlinien einhergehend. Ein Projekt welches normalerweise einige Wochen bzw. Monte in Anspruch nimmt haben wir in 10 Tagen umgesetzt. Auch wenn es zu Beginn ein wenig geholpert hat, war die Bereitschaft sowohl von den Patienten aber natürlich auch von der Ärzteseite da, das gemeinsam zu schaffen. Am Ende haben wir eine Win-Win-Situation für beide Seiten hergestellt.

Mittlerweile haben wir wieder komplett offen, bis auf Vorsorge bieten wir wieder alle Dienstleistungen in vollem Umfang an.



Stephan Poschik: Was braucht es denn für Unternehmen und für Organisationen damit wir wirklich bestmöglich und schnellstmöglich aus dieser Situation wieder herauskommen?

Maximilian Lammer: Es gibt einmal grundsätzlich zwei Dinge zu unterscheiden – was ist tatsächlich möglich und zu welchem Zeitpunkt. Und wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt ja noch gar nicht, wann und unter welchen Bedingungen wir wieder im Office sein dürfen. Eines ist auch zu bedenken, dass ja weniger als 50% der Job’s reine Office-Job’s sind, es gibt z.B. sehr viele Verkaufsflächen. Was notwendig ist und was wir verstehen müssen ist, welches Regelwerk wir von der Politik bekommen und uns darauf bestmöglich einzustellen. Ein paar Dinge sind absehbar, ein paar Dinge bergen noch viele Fragezeichen.

So lange Märkte noch zu sind, wird es auch für unsere exportorientierte Wirtschaft sehr schwierig sein. D.h. je früher für uns wichtige Märkte wieder aufgehen, wie z.B. Deutschland, umso früher wird eine erste Erholung auch bei uns eintreten.

Wichtig ist, regelmäßig zu kommunizieren und als Ansprechpartner für seine Mitarbeiter präsent zu sein. Solange mehr als eine Million Menschen in Kurzarbeit sind, haben diese Leute sehr viel Zeit sich über die eigene Organisation Gedanken zu machen. Um dieses Potenzial nicht liegen zu lassen, sondern umzuwandeln in eine Kraft die den Unternehmen hilft den Restart besser hinzukriegen, dann ist diese Zeit sehr gut genützt. Und das Beste dabei ist – dieses Investment kostet nichts, bringt aber für die Zukunft ausgesprochen viel.



Stephan Poschik: Haben eure Leute jetzt überhaupt den Kopf und die Möglichkeit diese Phase zu Hause (tlw. auch in Kurzarbeit) zu nutzen oder sind die mit dem Kopf ganz woanders und brauchen die andere Dinge um heraus zu kommen?

Doris Kruschitz-Bestepe: Wir haben im ganzen Konzern nur rund 100 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Diese sind sehr, sehr zielorientiert ausgewählt worden und diese haben auch die Möglichkeit, sollten wir die Ausgangssituation falsch eingeschätzt haben, die Kurzarbeit innerhalb kürzester Zeit wieder aufzulösen.

Unsere Vorstände haben auch ganz klar kommuniziert – wenn euch daheim die Decke auf den Kopf fällt, dann kommt in die Firma, sehr gerne auch direkt zu uns, und wir trinken gemeinsam einen Kaffee auf drei Meter Entfernung. Das war eine Einladung für den sozialen Kontakt mit Kollegen. Zum anderen nutzen wir natürlich alle elektronischen Kollaborationsmöglichkeiten. Wir haben uns bereits vor eineinhalb Wochen sehr konkrete Gedanken gemacht, wie kann das Hochfahren des Unternehmens – aber nicht beim Kunden, sondern bei unseren Mitarbeitern – über die Bühne gehen.

Wir haben hier durch unsere weltweite Ausrichtung sehr, sehr unterschiedliche Themen. In Argentinien oder in Washington D.C. schaut es anders aus als z.B. bei uns in Wien. Wir haben in Tirol mehr Kurzarbeiter als in Wien. Es ist einfach sehr vielfältig. Insgesamt darf ich sagen, dass wir ein ungemeines Engagement unserer Mitarbeiter erlebt haben, eine unglaubliche Loyalität und mit der wollen wir sie auch wieder in das Unternehmen zurück holen. Wir machen uns z.B. jetzt Gedanken darüber, welches Fest wir mit ihnen feiern können. Nicht weil es wirtschaftlich so leicht ist, sondern weil wir überzeugt sind, dass diese Menschen einen riesigen Akt der Wertschätzung brauchen für das was sie getan haben in kurzer Zeit.

 

Die gesamte Aufzeichnung der Podiumsdiskussion können Sie in Kürze mit einem exklusiven Zugang nachhören. Informationen dazu bekommen Sie mit einem unserer nächsten Newsletter

 

 

Zurück